Schule

Schule

Nachdem die in Voigtsdorf bestehenden Schulen im Jahre 1879 nicht mehr genügten, wurde der Plan gefasst eine neue Schule zu errichten und am 21.10.1879 beschlossen. Ein Grund hierfür war dass der Ort Voigtsdorf um 1880 eine der höchsten Einwohnerzahlen (1279 Bürger) aufwies. Die Schülerzahl des Ortes betrug dabei ca. 230 Kinder.
Die bis dahin bestehende Kirchschule an der Kirchgasse (heute Kirchweg 2), welche im Jahre 1682 erbaut wurde und nur ein Klassenzimmer mit einer Lehrerwohnung beinhaltet, genügte nicht mehr den Erfordernissen. Auch die im Jahre 1852 gebaute Schule in Ober-Voigtsdorf (heute Hauptstr. 107), die ebenfalls nur ein Klassenzimmer hatte, kam den modernen Ansprüchen nicht mehr nach. So wurde im Jahre 1879 ein Grundstück im Mitteldorf an der Zethauer Straße von der Einwohnerin Eleonore Reichelt für 970 Mark gekauft. Noch im selben Jahr begannen die Vorarbeiten: den Abbruch des alten Wohnhauses und Ausschachtungen für den Neubau. Vorgesehen waren 2 große Klassenzimmer und 2 Lehrerwohnungen. Für diesen Bau wurden vom Schulvorstand 25 Sitzungen einberufen. Schon am 4. November 1880 konnte die Einweihung der neuen Schule stattfinden. Der Kostenaufwand für diese Schule belief sich damals auf 21 611 Mark.


Die ehemalige Schule Voigtsdorf heute

Auch die neue Schule erwies sich nach einigen Jahrzehnten als unzureichend, denn ein zentraler Schulunterricht wurde angestrebt. Im Jahre 1939 wurde die sich im westlichen Hausteil befindende Lehrerwohnung in ein drittes Klassenzimmer umgebaut. Damit konnte der Unterricht in der oberen Schule eingestellt werden.
Durch den verheerenden 2. Weltkrieg konnten keinerlei Fortschritte in den Schulverhältnissen erfolgen, denn nach dem Kriege waren kaum noch die primitivsten Lernmittel vorhanden.
Auch für einen Kindergarten mussten Finanzmittel erbracht werden. So konnte im Jahre 1955 auf dem ehemaligen Turnplatz, wo vor dem Kriege eine Baracke für den Landdienst erbaut wurde, ein neues massives Gebäude für den Kindergarten errichtet werden, welches 1957 eingeweiht werden konnte. An diesem Bauvorhaben haben sich viele Elternteile dankenswerter Weise unbezahlt beteiligt. 1962 wurde die Einführung des 9. und 10. Schuljahres beschlossen. Das bedeutete, die Schüler mussten für die letzten beiden Schuljahre nach Sayda oder Dorfchemnitz. Beim Besuch dieser Schulen mussten sie mit dem Fahrrad fahren oder auf Ski steigen, denn zu dieser Zeit fuhren noch keine Schulbusse.
Um 1972 / 73 wurde der zentrale Unterricht ab dem 5. Schuljahr eingeführt. Seit dieser Zeit fuhren Schülertransporte ab dem Mitteldorf. Um den Oberdorfer Schülern den Weg ins Mitteldorf zu ersparen, errichteten deren Eltern in freiwilligem Einsatz die Wendeschleife für die Schulbusse.
Ab 1970 wurden mehrmals die sanitären Einrichtungen unserer Schule bemängelt. So wurde 1973 der Antrag zum Umbau der Schule gestellt. Dieser wurde im folgenden Jahr 1974 bewilligt. In den Sommerferien begann der Umbau: ein Anbau an der Schule mit einer neuen Sanitäranlage mit Klärgrube und 2 neue Klassenzimmer, in der bisherigen Schule wurden alle alten Fenster durch neue ersetzt und ein Klassenzimmer wurde zum Sportraum umfunktioniert
Der Umbau betrug 244.000 Mark. Vorübergehend musste im Herbst der Schulunterricht verzweigt, im Ferienheim Voigtsdorf, im Speiseraum der LPG und im Gemeindesaal des Pfarramtes durchgeführt werden, bis dann die neuen Schulräume einsatzbereit waren. Die Lernmöglichkeiten verbesserten sich damit enorm.
Durch den Rücklauf der Einwohnerzahl unseres Heimatortes in den achtziger Jahren wurden die Neueinschulungen geringer. Besonders nach der Wende 1990 waren dann die Klassenstärken auf eine Mindestzahl von Schülern gefallen, so dass die Schulen in den kleineren Orten geschlossen werden mussten. Einige Jahre war der Kampf um die Erhaltung der Schule Voigtsdorf erfolgreich, in denen gerade noch die Mindestzahl von Schülern erbracht werden konnte. Im Jahr 2000 war dies nicht mehr der Fall.
So kam dann am 12.07.2000 der letzte Schultag für die 120 Jahre alte Schule von Voigtsdorf.
Den vielfältigen Ideen und dem Einsatz der Voigtsdorfer ist es zu verdanken, dass das Schulgebäude weiter genutzt wird. Nach einigen Umbaumaßnahmen konnten Kindergarten und Hort untergebracht werden, der Sportraum wurde erweitert und bietet nun den Sportlern bessere Trainingsmöglichkeiten. Im Anbau fanden neben erneuerten sanitären Anlagen ein Clubraum des Jugendvereins und ein Übungsraum des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Platz.
Es steht also fest: auch in Zukunft wird die ehemalige Schule einen festen Platz im Dorfleben haben und mit Leben erfüllt sein.